(has/roß.) Er gilt als Außenseiter Geiger wie Nigel Kennedy und Vanessa Mae. Doch der Vergleich hinkt. Bei Félix Lajkó stoßen Klassik und Volksmusik auf eine unnachahmlichte Art und Weise zusammen, die nichts mit Klassikpop zu tun hat. Das demonstrierte er eindrucksvoll im Schauspielhaus, als er dort mit einer zehnköpfigen Zigeunerkapelle im Rahmen des Pinn-Bausch Tanzfests zu Gast war.
"Ich bin keine normale Person", sagte Lajkó einmal über sich. So wie er sich auf der Bühne gab, hätte man ihm recht geben können. Vom Publikum abgewandt, war sein Spiel von extremen Kontrasten geprägt. Er entlockte seiner Geige unglaublich schlichte, in sich gekehrte, kontemplative, fast autistische Klänge. Dann wiederum sprudelte es unverhofft aus ihm heraus. Der Bogen tanzte wieselflink über die vier Saiten, Tonkaskaden und Melodiefolgen lösten sich in stemberaubendem. Tempo ab Höchst kreativ schuf er dabei, klassische Stile mit Folklore des Balkan verschmelzend, eine ganz eigene individuelle Tonsprache, die aus seinem tiefsten Inneren zu kommen schien. Hier sprach eine hochsensible Seele, die Geige war ihr Sprachrohr.
Die ihn begleitende Combo bot, besetzt mit Hackbrett, zwei Perkussionisten, zwei Kontrabässen und fünf Streichern, mitreißen ausgelassene Stimmung, wie sie in ihren Heimatdörfern bei Festen und Hochzeiten üblich ist. Dabei fiel es nicht sonderlich ins Gewicht, dass die Instrumente nicht ordentlich aufeinander abgestimmt waren. Der kurzweilige Abend wurde von frenetischem Beifall begleitet.
Die letzte Zugabe fand Stunden später am frühen Morgen statt. Plötzlich wurde ein erster Geigenkasten durchs Schauspielhaus-Foyer getragen, dann ein Kontrabass, schließlich spielten alle wieder zur Freude des verbliebenen Publikums.